Zivilcourage – es gibt sie doch noch!

Werbung

Eigentlich versuche ich hier immer Sachartikel zu schreiben und zu veröffentlichen, aber da mein Vertrauen in die Menschlichkeit kurz davor war in die Brüche zu gehen und vor lauter „U-Bahn-Schläger-Überwachungsvideos-Berichterstattung“ mein Bild sichtlich verzerrt war, werde ich meine Erlebnisse mit Zivilcourage schildern.
Ich war mal wieder unterwegs Richtung Mannheim mit der Bahn. Natürlich mal wieder etwas zu warm, die Luft stand und naja… was soll man dazu noch sagen, es war eben keine Kaffeefahrt. Schon am nächsten Bahnhof stieg eine Familie ein und machte es sich gleich neben den Eingängen gemütlich. Zufälligerweise fing ab diesem Moment das komplette Abteil an nach wochenlang ungewaschener und verkrusteter Fettfalte zu stinken. Woran das gelegen mag?
Soweit so gut, kurze Zeit später kam auch der Schaffner und fragte nach den Fahrkarten. Ich zeigte sie ihm, er gab mir ein Stift um den Namen auf meine Karte zu schreiben und zog weiter zu einem jungen Mann, der aus der Nähe meines Wohnortes kam und ich ihn deshalb flüchtig kannte. Er zeigte ebenfalls seine Karte vor und der Schaffner ging zu der Familie.
Er forderte mit einem höflichen „Die Fahrkarten bitte“ die Familie auf, die Karten vorzuzeigen – vergebens – denn es waren keine Fahrkarten vorhanden. Sich ab diesem Zeitpunkt einsichtig zu zeigen wäre wohl für jeden normalgesinnten Menschen üblich. Doch nicht für die unfreundliche Familie aus dem Schwarzwald. Beide Parteien wurde etwas laut und der Schaffner ging plötzlich weiter – warum hab ich bis jetzt nicht verstanden, aber er kam auch genauso schnell wie er gegangen war und wollte die Personalien des Vaters sehen. Genauer gesagt handelte es sich um eine 6-köpfige Familie mit 4 jugendlichen Kindern im Alter zwischen 15 und 20 Jahren. Komischerweise haben der Vater und die komplette Familie keine Ausweispapiere bei sich. Der Schaffner, ich und der junge Mann aus dem Abteil glaubten dies nicht. Da war uns einfach anzusehen. Um nicht mehr in die Details zu gehen schildere ich das Verhalten der Familie. Der Vater wurde laut und machte seiner „Bilderbuch“-Familie klar, dass der Schaffner wohl nicht richtig seiner Arbeit nachgehen könne und er ziemlich eindeutig im Recht sei. Naja – Ansichtssache.
Plötzlich standen seine halbstarken Kinder auf und pusteten sich vor dem Schaffner auf und wurde ziemlich unhöflich einem älteren Herren gegenüber. Ab diesem Zeitpunkt hat das asoziale Verhalten der Familie den Höhepunkt erreicht. Alle Parteien wurden lauter und ich dachte mir schon dass es jetzt zu Handgreiflichkeiten kommt. Doch da sprang der junge Mann auf, stellt sich vor den Schaffner und schrie den Vater der Familie an, sich mal zusammenzureißen und das asoziale Verhalten zu unterlassen – vielleicht flog auch „Assipack“ und „Dreckspack“ durch das Abteil, ab ich habe das gerne Überhört. Wahrscheinlich weil er der junge Mann meine Zustimmung hatte.
So wurde die Situation immer komplizierter, denn jetzt hieß es 12 gegen 2. Warum 12? – Weil jedes Mitglied der Familie für zwei Personen stand. Ich war ebenfalls kurz davor auszustehen und dem Schaffner und dem jungen Mann den Rücken zu stärken, denn mir stand es ebenfalls bis oben hin. Das Verhalten der Familie war asozial und der Schaffner stand natürlich eindeutig im Recht, denn wer keine Fahrkarte hat, braucht auch nicht großartig zu diskutieren. Mein Eingreifen war aber nicht mehr nötig, denn der Zug hielt und die Familie stieg aus. Der junge Mann aus dem Abteil war immer noch außer sich, denn während die Familienmitglieder sich auf den Weg nach Draußen machten, wurde der junge Mann beleidigt. Er versuchte – zwar etwas laut – aber trotzdem immer sachlich zu bleiben und den Schaffner zu unterstützen. Da konnte ich mich auch nicht mehr zurückhalten und schrie auch noch „Asoziales Pack“ hinterher. Das kam wohl an, denn die Frau der Familie droht mir mit einer Anzeige. Der Schaffner schaute kurz verwundert, wer ich wohl sei und begleitete die Familie nach draußen und schloss die Türen.
Zurück im Abteil ärgerten wir uns noch über die Menschen, die laut Schaffner wohl des Öfteren ohne Ticket fahren. Um es auch mal zu verdeutlichen. Ich dachte immer die Familien, die auf RTL zu sehen sind wie bspw. „Mitten im Leben“ oder was es da noch so gibt, wären teilweise absichtlich „asozialisiert“ worden, um die Quoten und den Unterhaltungsfaktor zu erhöhen. Doch diese Familie hätte zu 120% da reingepasst.
Thja.. wie man sieht, gibt es doch noch junge Menschen, die Zivilcourage zeigen und auch in schwierigen Situationen hinter einem stehen, doch leider hinterlässt die monatliche „U-Bahn-Schläger“ Berichterstattung unserer Medien einen anderen Eindruck.

Kategorie: Allgemein Tags: Die Bahn, Zivilcourage

Recent Posts

Bookmark and Promote!

Leave a Reply

Submit Comment

© 2016 Idee:Buzz. All rights reserved. XHTML / CSS Valid.